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Dienstag, 22. September 2026

Beim Weinbauern Nika Vacheishvili

Eine Nacht haben wir bei Nika und Diana auf dem Bauernhof verbracht. Es gab ein wunderbares georgisches Abendessen und ein leckeres Frühstück auf der überdachten Terrasse. Alles hausgemacht. Am Morgen hat die Gastgeberin Marmelade aus Kornelkirschen gekocht und wir haben ein paar Flaschen Wein gekauft.

Wenn ihr irgendwo in Georgien mal einen Ruhetag einlegen wollt, dann ist dieser Ort hier perfekt. Bei der Anfahrt nicht verzagen: Der unbefestigte Weg führt tatsächlich hierhin, auch wenn es anfangs nicht so scheint.






Montag, 21. September 2026

Felsenstadt Uspliziche

Nur unweit von Gori liegt oberhalb des Flusses Mtkwari eine ungewöhnliche historische Anlage: Uspliziche. Der Name bedeutet ungefähr „Festung des Herrschers“ oder „Festung des Fürsten“. Und tatsächlich war das hier einmal eine richtige Stadt – nur dass ein großer Teil davon direkt aus dem weichen Sandstein herausgearbeitet wurde. Vom Felsplateau hat man eine wunderbare Aussicht auf die Umgebung.

Die Anfänge der ehemaligen Stadt reichen bis in die späte Bronzezeit, also weit vor die Christianisierung Georgiens zurück. Spätestens ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. war die Stadt ein bedeutendes religiöses, politisches und wirtschaftliches Zentrum. Ihre Blütezeit erlebte sie noch einmal zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. Die gesamte Anlage erstreckt sich über knapp acht Hektar. Heute braucht man beim Rundgang etwas Fantasie. Viele Räume sehen zunächst einfach wie Höhlen aus. Schaut man genauer hin, erkennt man aber Straßen und Plätze, Wohnräume, Tempel, Vorratskammern, Weinkeller und in den Fels gehauene Weinpressen. Selbst ein Wasserversorgungssystem gab es. Ein geheimer Tunnel führte hinunter zum Fluss und dürfte im Belagerungsfall als Zugang zum Wasser und möglicherweise auch als Fluchtweg gedient haben. Heute ist dieser Tunnel der Eingang zur Felsenstadt.

Oben auf dem Felsplateau steht heute weithin sichtbar eine Basilika aus dem Mittelalter. Die Kirche wurde einfach über die wesentlich älteren heidnischen Heiligtümer und Felsräume gesetzt. An einem einzigen Ort liegen damit mehrere tausend Jahre georgischer Religionsgeschichte praktisch übereinander. Den endgültigen Niedergang brachten im 13. Jahrhundert die Mongolen, die die Stadt verwüsteten. Danach wurde sie nie wieder zu einem bedeutenden urbanen Zentrum. 

Natürlich gibt es auch zu diesem Ort eine schöne Legende. Beim Bau der Stadt sollen Sklaven Werkzeuge erhalten haben, deren Spitzhacken auf der einen Seite aus Eisen und auf der anderen aus Gold bestanden. Sie mussten so lange den Felsen bearbeiten, bis die eiserne Seite vollständig abgenutzt war. Dann bekamen sie ihre Freiheit – und durften das Gold behalten. Ob das jemals so stattgefunden hat, ist eher unwahrscheinlich. Als Geschichte darüber, welche enorme Arbeit in dieser Felsenstadt steckt, passt es aber ganz gut.







Stalins Geburtshaus

Gori ist vor allem als Geburtsstadt Josef Stalins bekannt. Er wurde hier 1878 als Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili geboren und verbrachte seine ersten Lebensjahre in sehr einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Schuhmacher, seine Mutter Wäscherin und Haushaltshilfe. Das kleine Geburtshaus steht heute etwas merkwürdig mitten im Zentrum von Gori. Um das unscheinbare, aus Ziegeln und Holz gebaute Häuschen wurde später ein monumentaler Pavillon im stalinistischen Stil errichtet. Um den Pavillon herum steht aktuell ein zwei Meter hoher Bauzaun, sodass wir nur von oben hinein fotografieren konnten, ohne das Haus mit eigenen Augen zu sehen. Vermutlich wird gerade restauriert.

Die volle Kult-Dröhnung wollten wir uns nicht antun, deshalb haben wir uns auf einen kurzen Spaziergang auf dem Gelände rund um Stalins Geburtshaus beschränkt. In den 1950er-Jahren, vier Jahre nach Stalins Tod, wurden alle Häuser drumherum abgerissen, ein monumentaler Prachtbau im Lieblingsbaustil des Despoten errichtet und ein großer Park angelegt. Zum Komplex gehört außerdem sein persönlicher, gepanzerter Eisenbahnwaggon. Das Stalin-Museum in Gori ist tatsächlich das meistbesuchte Museum in Georgien. Es ist bis heute umstritten, vor allem im Kontext der aktuellen georgisch-russischen Spannungen. Die große Stalin-Statue vor dem Rathaus wurde nach dem letzten russisch-georgischen Krieg im Jahr 2010 abgebaut. Dafür steht eine kleinere Sandsteinskulptur vor dem Museum. Es gibt jede Menge Devotionalien zu kaufen, von Stalin-Socken über T-Shirts bis hin zu Streichhölzern und Flachmännern mit seinem Abbild.






Samstag, 19. September 2026

Mzcheta - die alte Hauptstadt Georgiens

In Mzcheta liegen gleich zwei der bedeutendsten Kirchen des Landes: das Dschwari-Kloster hoch über der Stadt und die mächtige Swetizchoweli-Kathedrale mitten im historischen Zentrum. Das Dschwari-Kloster steht spektakulär auf einem Bergsporn oberhalb von Mzcheta. Von hier hat man den berühmten Blick auf die Stadt und den Zusammenfluss von Aragwi und Mtkwari (Kura).

„Dschwari“ bedeutet schlicht „Kreuz“. Der Überlieferung zufolge ließ die heilige Nino hier bereits im 4. Jahrhundert, nach der Christianisierung des Königreichs Iberien, ein großes Holzkreuz aufstellen. An dieser Stelle entstand zunächst eine kleine Kirche und um 600 n. Chr. schließlich die heute noch erhaltene Kreuzkuppelkirche. Sie gilt als eines der bedeutendsten Beispiele früher georgischer Kirchenarchitektur und wurde zum Vorbild für zahlreiche spätere Kirchenbauten. Dass diese Kirche seit rund 1.400 Jahren praktisch unverändert über Mzcheta steht, ist schon bemerkenswert.

Etwas irritiert waren wir über die Bezeichnung des alten Königreichs: Iberien oder Iberia. Das erinnert dann doch stark an das weit entfernte Spanien auf der iberischen Halbinsel. Die Begründung liegt wohl im antiken Griechenland. Die Griechen nannten sowohl das heutige Ostgeorgien als auch das Gebiet im heutigen Spanien Iberia. Eine Erklärung dafür ist ihre Lage aus Sicht der damaligen Mittelmeerwelt: Das eine Iberien lag ganz im Osten, das andere ganz im Westen – beide also am Rand der damals bekannten Welt. Ob die Namensgleichheit tatsächlich darauf zurückgeht, ist allerdings nicht abschließend geklärt.

Unten in Mzcheta steht die monumentale Swetizchoweli-Kathedrale, die Kathedrale der „lebensspendenden Säule“. Die heutige Kathedrale wurde zwischen 1010 und 1029 unter König Giorgi I. errichtet. Sie war über Jahrhunderte die wichtigste Kirche Georgiens. Zahlreiche georgische Könige wurden hier gekrönt und bestattet. 

Noch wichtiger ist jedoch die religiöse Überlieferung. Nach der Kreuzigung Jesu soll ein Jude aus Mzcheta namens Elias in Jerusalem das Gewand Christi erworben und mit nach Georgien gebracht haben. Seine Schwester Sidonia nahm das Gewand an sich und starb der Legende nach augenblicklich vor Ergriffenheit. Da sie es nicht mehr aus den Händen lösen konnte, wurde sie zusammen mit dem Gewand begraben. Über ihrem Grab wuchs eine mächtige Zeder. Als im 4. Jahrhundert an dieser Stelle die erste christliche Kirche Georgiens gebaut werden sollte, ließ man den Baum fällen und daraus sieben Säulen herstellen. Eine dieser Säulen ließ sich jedoch nicht aufrichten. Erst nachdem die heilige Nino die ganze Nacht gebetet hatte, soll sie sich von selbst erhoben haben. Außerdem trat aus ihr eine heilende Flüssigkeit aus. Daher stammt der Name Swetizchoweli: ungefähr „lebensspendende Säule“. Die Stelle, an der sich der Überlieferung zufolge das Gewand Christi befindet, ist im Inneren der Kathedrale besonders gekennzeichnet. 

Auch unabhängig von der Legende hat uns das Innere der Kirche beeindruckt. An den Wänden befinden sich alte Fresken, Grabplatten georgischer Herrscher und zahlreiche religiöse Darstellungen. Auffällig ist außerdem ein kleiner steinerner Bau innerhalb der Kathedrale, der das Heilige Grab in Jerusalem symbolisiert. In einer kleinen Nebenkammer wird ein Fußknochen des Apostels Andreas als Reliquie aufbewahrt.

Eine weitere Geschichte betrifft den Baumeister Arsukidse. An der Außenfassade ist eine in Stein gemeißelte Hand mit einem Winkelmaß zu sehen. Einer Legende zufolge soll dem Architekten nach Fertigstellung der Kathedrale die rechte Hand abgeschlagen worden sein – entweder aus Neid seines Lehrmeisters oder auf Befehl des Königs, damit er nie wieder etwas ähnlich Großartiges bauen könne. Historisch belegt ist das allerdings nicht. 




Unter dieser Kapelle soll Schwester Sidonia mit dem Gewand Jesu liegen. An dieser Stelle wuchs früher die libanesische Zeder

Und das soll das letzte erhaltene Kreuz sein, dass aus der Zeder gefertigt wurde.




Georgischer Wein

Georgien kann auf eine rund 8.000 Jahre alte Weintradition zurückblicken. Das Besondere daran ist der Qvevri – ein großes, eiförmiges Tongefäß, das vollständig in den Boden eingelassen wird. Die traditionelle georgische Qvevri-Weinbereitung wurde 2013 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Nach der Weinlese, der Rtveli, werden die Trauben gepresst. Bei der traditionellen kachetischen Methode kommt nicht nur der Traubensaft in den Qvevri, sondern auch ein erheblicher Teil der Schalen, Kerne und teilweise der Stiele – die sogenannte Chacha. Anschließend beginnt die natürliche Gärung.

Der Qvevri steckt dabei nicht aus nostalgischen Gründen in der Erde. Der Boden sorgt für eine relativ gleichmäßige Temperatur. Nach Abschluss der Gärung wird das Gefäß verschlossen und der junge Wein bleibt über Monate darin. Die festen Bestandteile sinken durch die besondere Eiform nach unten, während sich darüber der Wein klärt. Gerade bei Weißwein führt der lange Kontakt mit Schalen und Kernen zu einem Ergebnis, das sich deutlich von einem europäischen Weißwein unterscheidet: Die Farbe wird kräftiger, teilweise bernstein- bis orangefarben, der Wein bekommt mehr Gerbstoffe und einen wesentlich intensiveren Charakter. Daher stammt auch die heute verbreitete Bezeichnung Amber Wine. Bei einem kachetischen Rkatsiteli aus dem Qvevri merkt man ziemlich schnell, dass „Weißwein“ hier etwas anderes bedeuten kann als bei uns.

Die Reinigung der Qvevris ist eine Wissenschaft für sich. Nach dem Leeren muss das Gefäß gründlich von innen gereinigt werden. Dazu steigt man bei großen Gefäßen teilweise hinein beziehungsweise arbeitet mit speziellen langstieligen Bürsten aus gefalteter Baumrinde. Die Prozedur dauert ca. 4-5 Stunden pro Gefäß. Bei den 86 Tongefäßen mit jeweils knapp 3000 Liter Fassungsvermögen allein im Weingut Schuchmann fällt also reichlich Arbeit "unter Tage" an. Chemische Desinfektion gehört nicht zur traditionellen Methode – Sauberkeit ist entscheidend dafür, dass die nächste Füllung nicht verdirbt. 

Praktischerweise wird auch das, was nach der Weinbereitung übrig bleibt, weiterverwendet. Aus dem Trester – ebenfalls Chacha genannt – wird der gleichnamige georgische Tresterbrand destilliert. Der Vergleich mit italienischem Grappa liegt nahe. Wir sind nicht nicht so begeistert von diesem Getränk, da er im Vergleich zum usbekischen "weißen Tee" im Rachen brennt (Stammleser wissen, was gemeint ist). So zumindest unser geschmacklicher Eindruck.

Heute produziert Schuchmann auf zwei verschiedene Arten etwa 1,5 Mio Flaschen Wein und mehrere tausend Flaschen Sekt pro Jahr . Ein Teil der Weine entsteht klassisch europäisch in Edelstahltanks und Holzfässern, ein anderer nach der alten georgischen Qvevri-Methode. Angebaut werden sowohl einheimische Sorten wie Saperavi, Rkatsiteli, Mtsvane und Kisi als auch internationale Rebsorten. Etwa 90% der Weinproduktion geht in den Export, denn in Georgien hat fast jede Familie auf dem Land eigenen Wein in hauseigenen Qvevris. Da muss der Wein nicht gekauft werden.





Im Weingut Schuchmann

Burkhardt Schuchmann war lange Jahre Geschäftsführer des sauerländischen Unternehmens Vossloh. Dort machte er sich einen Namen als konsequenter Unternehmenssanierer und -entwickler. Aus dem damals noch stark diversifizierten Mittelständler formte er einen international tätigen Spezialisten für Bahntechnik und brachte das Unternehmen 1990 an die Börse. Während seiner Zeit an der Spitze stieg der Umsatz von etwa 90 Millionen auf rund eine Milliarde Euro. Ende 2005 schied er nach fast 20 Jahren als Vorstandschef aus.

Eigentlich hätte damit der Ruhestand beginnen können. Schuchmann war schon lange Weinliebhaber und hatte offenbar die Idee, selbst Wein zu produzieren. Zunächst schaute er sich dafür sogar in Argentinien und Südafrika um. Schließlich brachte ihn ein in Deutschland lebender Georgier auf Georgien. 2006 reiste Schuchmann nach Kachetien und erkannte dort das Potenzial der einheimischen Rebsorten und der traditionellen Qvevri-Weine.

Der Zeitpunkt war durchaus mutig. Russland hatte gerade ein Importverbot für georgischen Wein verhängt und damit dessen wichtigsten Absatzmarkt praktisch über Nacht geschlossen. Schuchmann sah darin offenbar eher eine Chance: Georgischer Wein musste sich neue Märkte erschließen und dafür stärker auf Qualität und internationale Vermarktung setzen. 2008 investierte er schließlich in Kachetien und gründete Schuchmann Wines Georgia. In Kisiskhevi bei Telawi entstanden ein modernes Weingut und später das Château mit Hotel, Gastronomie und Spa. Das Konzept bestand darin, zwei eigentlich sehr unterschiedliche Welten miteinander zu verbinden: moderne europäische Kellertechnik auf der einen und die jahrtausendealte georgische Weinbereitung im Qvevri auf der anderen Seite. Schuchmann selbst beschreibt seine Entscheidung rückblickend sinngemäß so: Als er in Europa eigentlich schon im Ruhestand war, wurde er in Georgien noch einmal zum Start-up-Unternehmer – und bezeichnet dies als eine seiner besten Entscheidungen.

Wir haben einen Tag Entspannung im Weingut Schuchmann genossen: Pool, Massage, Weintasting - einfach wunderbar! Dies sei hier nur genannt, um beim geneigten Leser Neid zu wecken ;-) Die Lage des Weinguts ist großartig, etwas erhöht über dem Alazani-Tal, dem Zentrum des kachetischen Weinbaus. Von hier reicht der Blick über die Weinberge und die weite Ebene bis zu den Gipfeln des Großen Kaukasus.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Scheinbar ist der Gründer heute nicht mehr selbst vor Ort. Der Service ist unmotiviert, an der Poolbar gibt es weder Wechselgeld noch Kartenzahlung, kein WLAN in den villenartigen Häusern, kein Toilettenpapier, eine Minibar ohne Getränke und eine geschlossene Vinothek. Das sind natürlich Wohlstandssorgen deutscher Touristen, ich weiß. Für ein Haus, das sich als gehobenes Wein-Château präsentiert, sind es in der Summe aber erstaunlich viele Kleinigkeiten. Da passen Anspruch und Wirklichkeit leider nicht ganz zusammen.






Brot der Mutter

Das Brot in Kachetien erinnert  an einen Halbmond, ein Boot oder an einen Säbel. Es wird Shoti genannt. Das Brot ist lang, leicht gebogen und läuft an beiden Enden spitz zu. Der traditionelle georgische Backofen heißt Tone. Er besteht aus einem etwa einen Meter tiefen, zylindrischen Tongefäß, das in den Boden eingelassen oder eingemauert ist. Es wird in Kachetien mit Rebholz aufgeheizt. Ist der Ofen heiß genug, werden die länglichen Teigstücke direkt an die heiße Innenwand geklebt. Dort backen sie bei großer Hitze in wenigen Minuten. Anschließend werden sie mit speziellen Eisenhaken wieder von der Wand gelöst.

Das Brot heißt auch „Dedis Puri“ – Mutterbrot, weil in den Familien das Brotbacken Aufgabe der Frauen, insbesondere der ältesten Frau des Hauses war und ist. Der Teig wird am Vortag angesetzt und am nächsten Tag gebacken. Zu Feiertagen gehört das gemeinsame Backen zum festen Familienritual. Der Backofen gilt als beinahe heiliger Ort. Beim Kneten und Backen wird der Verstorbenen gedacht und für die Familie gebetet. Frisches Shoti, Käse und Wein bilden nicht selten eine kleine Supra (traditionelles georgisches Festmahl) direkt am Backofen. Wir haben das frisch gebackene warme Brot mit selbstgemachtem Schafskäse probiert - einfach lecker!


Das Nonnenkloster Bodbe

Nur wenige Kilometer außerhalb Sighnaghis liegt das Kloster Bodbe, wunderschön an einem bewaldeten Hang über dem Alasani-Tal. Die gepflegten Gärten und der Blick hinüber zum Kaukasus machen Bodbe schon landschaftlich zu einem besonderen Ort. Vor allem aber ist Bodbe einer der wichtigsten Wallfahrtsorte der georgisch-orthodoxen Kirche. Hier befindet sich das Grab der heiligen Nino, jener Frau, die im 4. Jahrhundert maßgeblich zur Christianisierung Georgiens beitrug. Nino stammte der Überlieferung nach aus Kappadokien und gelangte auf ihrer Reise schließlich nach Mzcheta. Dort bekehrte sie König Mirian III. und Königin Nana zum Christentum. Georgien nahm in der Folge im 4. Jahrhundert das Christentum an. 

Nino zog sich gegen Ende ihres Lebens nach Bodbe zurück und starb hier. König Mirian wollte ihren Leichnam eigentlich nach Mzcheta überführen lassen. Der Überlieferung zufolge ließ sich der Sarg jedoch von keinem Menschen mehr bewegen. Also wurde Nino an Ort und Stelle bestattet und über ihrem Grab eine Kirche errichtet. Die heutige St.-Georgs-Kathedrale enthält ihr Grab und ist das religiöse Zentrum des Klosters. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Bodbe mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Seit dem späten 19. Jahrhundert ist es ein Nonnenkloster und beherbergt auch heute wieder eine Gemeinschaft orthodoxer Nonnen.

Unterhalb des Klosters liegt mitten im Wald die Quelle der heiligen Nino. Der Überlieferung zufolge entstand sie durch ihre Gebete. Dem Wasser werden heilende Kräfte zugeschrieben, weshalb viele Pilger den ziemlich langen Weg vom Kloster hinunter zur Quelle auf sich nehmen. Dort befindet sich auch ein kleines Tauchbecken, in das Gläubige vollständig eintauchen. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch würden nach einem Bad angeblich fruchtbar werden. Ich habe Steffi schnell weggezogen. Zwei Töchter genügen.





Donnerstag, 17. September 2026

Tschurtschchela und Tklapi

Zwei leckere georgische Snacks mit unmerkbaren Namen haben wir uns für zuhause mitgenommen:

Tschurtschchela - An einem Faden aufgereihte Walnüsse oder Haselnüsse, mehrfach in eingedickten Traubensaft getaucht und getrocknet

Tklapi – Fruchtleder: Pürierte oder gekochte Früchte, welche hauchdünn auf Tücher oder Bretter gestrichen und in der Sonne getrocknet werden.



Alles eingekauft und glücklich

Von der Steppe in die Toskana des Ostens in weniger als einer Stunde

In Georgien benötigt man nur eine Fahrtstunde, um zwischen völlig verschiedenen Landschaften zu wechseln. Gerade waren wir noch in der Halbwüste und kurz danach sind wir in einer grünen Hügellandschaft mit Weinbergen, Klöstern und lieblichen Städten. 

Ein Beispiel ist Sighnaghi, die kleine Stadt der Liebe. Wegen ihres hübschen Stadtkerns, der Stadtmauer und der Lage hoch über dem Tal ist sie ein beliebter Ort für Hochzeiten. Das Standesamt hat hier 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche geöffnet. Das hat viele Liebende aus nah und fern angezogen. Aus einem romantischen Urlaub im fernen Georgien kann nicht selten eine ernüchternde Ehe daheim werden. Früher war die Scheidung aus der Ferne deutlich komplizierter. Heute geht es einfacher: Bei einer einvernehmlichen Scheidung kann man sich in Georgien vertreten lassen und muss dafür nicht unbedingt noch einmal anreisen. Mittlerweile gibt es sogar Anwälte, die sich auf solche „Remote Divorces“ spezialisiert haben. Heiraten rund um die Uhr und sich später aus der Ferne wieder scheiden lassen – in Sighnaghi ist offenbar für beide Fälle gesorgt.

Sighnaghi liegt in Kachetien, dem Zentrum des georgischen Weinbaus. Wein wird in Georgien seit mindestens 8.000 Jahren hergestellt, womit das Land zu den ältesten Weinregionen der Welt zählt. Typisch ist die traditionelle Herstellung im Qvevri – großen Tonamphoren, die bis zum Hals in der Erde eingegraben werden. Diese Methode gehört seit 2013 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Bekannte georgische Rebsorten wie Saperavi und Rkatsiteli stammen aus dieser Region. Entsprechend gehören Weingüter, kleine Familienkellereien und natürlich ausgiebige Weinproben praktisch zu jeder Reise durch Kachetien. Dazu mehr in einem späteren Beitrag.