Nur unweit von Gori liegt oberhalb des Flusses Mtkwari eine ungewöhnliche historische Anlage: Uspliziche. Der Name bedeutet ungefähr „Festung des Herrschers“ oder „Festung des Fürsten“. Und tatsächlich war das hier einmal eine richtige Stadt – nur dass ein großer Teil davon direkt aus dem weichen Sandstein herausgearbeitet wurde. Vom Felsplateau hat man eine wunderbare Aussicht auf die Umgebung.
Die Anfänge der ehemaligen Stadt reichen bis in die späte Bronzezeit, also weit vor die Christianisierung Georgiens zurück. Spätestens ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. war die Stadt ein bedeutendes religiöses, politisches und wirtschaftliches Zentrum. Ihre Blütezeit erlebte sie noch einmal zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. Die gesamte Anlage erstreckt sich über knapp acht Hektar. Heute braucht man beim Rundgang etwas Fantasie. Viele Räume sehen zunächst einfach wie Höhlen aus. Schaut man genauer hin, erkennt man aber Straßen und Plätze, Wohnräume, Tempel, Vorratskammern, Weinkeller und in den Fels gehauene Weinpressen. Selbst ein Wasserversorgungssystem gab es. Ein geheimer Tunnel führte hinunter zum Fluss und dürfte im Belagerungsfall als Zugang zum Wasser und möglicherweise auch als Fluchtweg gedient haben. Heute ist dieser Tunnel der Eingang zur Felsenstadt.
Oben auf dem Felsplateau steht heute weithin sichtbar eine Basilika aus dem Mittelalter. Die Kirche wurde einfach über die wesentlich älteren heidnischen Heiligtümer und Felsräume gesetzt. An einem einzigen Ort liegen damit mehrere tausend Jahre georgischer Religionsgeschichte praktisch übereinander. Den endgültigen Niedergang brachten im 13. Jahrhundert die Mongolen, die die Stadt verwüsteten. Danach wurde sie nie wieder zu einem bedeutenden urbanen Zentrum.
Natürlich gibt es auch zu diesem Ort eine schöne Legende. Beim Bau der Stadt sollen Sklaven Werkzeuge erhalten haben, deren Spitzhacken auf der einen Seite aus Eisen und auf der anderen aus Gold bestanden. Sie mussten so lange den Felsen bearbeiten, bis die eiserne Seite vollständig abgenutzt war. Dann bekamen sie ihre Freiheit – und durften das Gold behalten. Ob das jemals so stattgefunden hat, ist eher unwahrscheinlich. Als Geschichte darüber, welche enorme Arbeit in dieser Felsenstadt steckt, passt es aber ganz gut.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen