Georgien ist ein erstaunlich vielfältiges Land auf ziemlich kleiner Fläche. Flächenmäßig kleiner als Bayern und mit rund 3,7 Millionen Einwohnern kleiner als Berlin – landschaftlich bekommt man aber vom subtropischen Schwarzen Meer über Weinberge und Halbwüsten bis zu den über 5.000 Meter hohen Gipfeln des Großen Kaukasus fast alles geboten.
Die Menschen hier sind überwiegend wenig herzlich, ja nicht einmal freundlich. Eher distanziert. In Restaurants wirken Lächeln mühsam antrainiert. Ausnahmen bestätigen die Regel. Vielleicht hängt diese Mentalität mit dem ständigen Kampf ums Überleben zusammen. Mich stört es weniger. Ich werde gerne in Ruhe gelassen. Hin und wieder nervt es, in Restaurants die Bedienung nach 20 Minuten nötigen zu müssen, endlich eine Bestellung anzunehmen.
Geografisch liegt Georgien genau an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Kulturell und politisch orientiert sich ein großer Teil des Landes stark nach Europa. Gleichzeitig sind persische, osmanische, russische und natürlich kaukasische Einflüsse überall zu erkennen. Die Georgier selbst heißen Kartvelebi, ihre Sprache Kartuli. Georgisch gehört nicht zu den slawischen, indoeuropäischen oder turkmenischen Sprachen, sondern zur kleinen Familie der kartwelischen Sprachen. Und das merkt man schnell: Selbst mit Russischkenntnissen kann man sich aus georgischen Wörtern kaum etwas zusammenreimen. Noch auffälliger ist die Schrift: საქართველო – Sakartvelo – Georgien. Das heutige Alphabet besitzt 33 Buchstaben und sieht mit seinen runden Formen fast wie eine kalligrafische Geheimschrift aus. Die georgische Schrifttradition ist so eigenständig, dass sie von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde. Beherrscht man das georgische Alphabet, ist es wiederum nicht schwer, sich zu verständigen. Auf mich wirken die georgischen Schriftzeichen wie Malerei - einfach schön anzuschauen.
Georgien besitzt eine sehr alte staatliche und kulturelle Tradition. Bereits in der Antike existierten hier die Königreiche Kolchis im Westen und Iberien/Kartli im Osten. Kolchis ist dabei genau jenes sagenhafte Land, in das Jason und die Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies aufbrachen. Dazu später mehr in Zusammenhang mit der Stadt Kutaissi.
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