In Mzcheta liegen gleich zwei der bedeutendsten Kirchen des Landes: das Dschwari-Kloster hoch über der Stadt und die mächtige Swetizchoweli-Kathedrale mitten im historischen Zentrum. Das Dschwari-Kloster steht spektakulär auf einem Bergsporn oberhalb von Mzcheta. Von hier hat man den berühmten Blick auf die Stadt und den Zusammenfluss von Aragwi und Mtkwari (Kura).
„Dschwari“ bedeutet schlicht „Kreuz“. Der Überlieferung zufolge ließ die heilige Nino hier bereits im 4. Jahrhundert, nach der Christianisierung des Königreichs Iberien, ein großes Holzkreuz aufstellen. An dieser Stelle entstand zunächst eine kleine Kirche und um 600 n. Chr. schließlich die heute noch erhaltene Kreuzkuppelkirche. Sie gilt als eines der bedeutendsten Beispiele früher georgischer Kirchenarchitektur und wurde zum Vorbild für zahlreiche spätere Kirchenbauten. Dass diese Kirche seit rund 1.400 Jahren praktisch unverändert über Mzcheta steht, ist schon bemerkenswert.
Etwas irritiert waren wir über die Bezeichnung des alten Königreichs: Iberien oder Iberia. Das erinnert dann doch stark an das weit entfernte Spanien auf der iberischen Halbinsel. Die Begründung liegt wohl im antiken Griechenland. Die Griechen nannten sowohl das heutige Ostgeorgien als auch das Gebiet im heutigen Spanien Iberia. Eine Erklärung dafür ist ihre Lage aus Sicht der damaligen Mittelmeerwelt: Das eine Iberien lag ganz im Osten, das andere ganz im Westen – beide also am Rand der damals bekannten Welt. Ob die Namensgleichheit tatsächlich darauf zurückgeht, ist allerdings nicht abschließend geklärt.
Unten in Mzcheta steht die monumentale Swetizchoweli-Kathedrale, die Kathedrale der „lebensspendenden Säule“. Die heutige Kathedrale wurde zwischen 1010 und 1029 unter König Giorgi I. errichtet. Sie war über Jahrhunderte die wichtigste Kirche Georgiens. Zahlreiche georgische Könige wurden hier gekrönt und bestattet.
Noch wichtiger ist jedoch die religiöse Überlieferung. Nach der Kreuzigung Jesu soll ein Jude aus Mzcheta namens Elias in Jerusalem das Gewand Christi erworben und mit nach Georgien gebracht haben. Seine Schwester Sidonia nahm das Gewand an sich und starb der Legende nach augenblicklich vor Ergriffenheit. Da sie es nicht mehr aus den Händen lösen konnte, wurde sie zusammen mit dem Gewand begraben. Über ihrem Grab wuchs eine mächtige Zeder. Als im 4. Jahrhundert an dieser Stelle die erste christliche Kirche Georgiens gebaut werden sollte, ließ man den Baum fällen und daraus sieben Säulen herstellen. Eine dieser Säulen ließ sich jedoch nicht aufrichten. Erst nachdem die heilige Nino die ganze Nacht gebetet hatte, soll sie sich von selbst erhoben haben. Außerdem trat aus ihr eine heilende Flüssigkeit aus. Daher stammt der Name Swetizchoweli: ungefähr „lebensspendende Säule“. Die Stelle, an der sich der Überlieferung zufolge das Gewand Christi befindet, ist im Inneren der Kathedrale besonders gekennzeichnet.
Auch unabhängig von der Legende hat uns das Innere der Kirche beeindruckt. An den Wänden befinden sich alte Fresken, Grabplatten georgischer Herrscher und zahlreiche religiöse Darstellungen. Auffällig ist außerdem ein kleiner steinerner Bau innerhalb der Kathedrale, der das Heilige Grab in Jerusalem symbolisiert. In einer kleinen Nebenkammer wird ein Fußknochen des Apostels Andreas als Reliquie aufbewahrt.
Eine weitere Geschichte betrifft den Baumeister Arsukidse. An der Außenfassade ist eine in Stein gemeißelte Hand mit einem Winkelmaß zu sehen. Einer Legende zufolge soll dem Architekten nach Fertigstellung der Kathedrale die rechte Hand abgeschlagen worden sein – entweder aus Neid seines Lehrmeisters oder auf Befehl des Königs, damit er nie wieder etwas ähnlich Großartiges bauen könne. Historisch belegt ist das allerdings nicht.
| Unter dieser Kapelle soll Schwester Sidonia mit dem Gewand Jesu liegen. An dieser Stelle wuchs früher die libanesische Zeder |
| Und das soll das letzte erhaltene Kreuz sein, dass aus der Zeder gefertigt wurde. |

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