Burkhardt Schuchmann war lange Jahre Geschäftsführer des sauerländischen Unternehmens Vossloh. Dort machte er sich einen Namen als konsequenter Unternehmenssanierer und -entwickler. Aus dem damals noch stark diversifizierten Mittelständler formte er einen international tätigen Spezialisten für Bahntechnik und brachte das Unternehmen 1990 an die Börse. Während seiner Zeit an der Spitze stieg der Umsatz von etwa 90 Millionen auf rund eine Milliarde Euro. Ende 2005 schied er nach fast 20 Jahren als Vorstandschef aus.
Eigentlich hätte damit der Ruhestand beginnen können. Schuchmann war schon lange Weinliebhaber und hatte offenbar die Idee, selbst Wein zu produzieren. Zunächst schaute er sich dafür sogar in Argentinien und Südafrika um. Schließlich brachte ihn ein in Deutschland lebender Georgier auf Georgien. 2006 reiste Schuchmann nach Kachetien und erkannte dort das Potenzial der einheimischen Rebsorten und der traditionellen Qvevri-Weine.
Der Zeitpunkt war durchaus mutig. Russland hatte gerade ein Importverbot für georgischen Wein verhängt und damit dessen wichtigsten Absatzmarkt praktisch über Nacht geschlossen. Schuchmann sah darin offenbar eher eine Chance: Georgischer Wein musste sich neue Märkte erschließen und dafür stärker auf Qualität und internationale Vermarktung setzen. 2008 investierte er schließlich in Kachetien und gründete Schuchmann Wines Georgia. In Kisiskhevi bei Telawi entstanden ein modernes Weingut und später das Château mit Hotel, Gastronomie und Spa. Das Konzept bestand darin, zwei eigentlich sehr unterschiedliche Welten miteinander zu verbinden: moderne europäische Kellertechnik auf der einen und die jahrtausendealte georgische Weinbereitung im Qvevri auf der anderen Seite. Schuchmann selbst beschreibt seine Entscheidung rückblickend sinngemäß so: Als er in Europa eigentlich schon im Ruhestand war, wurde er in Georgien noch einmal zum Start-up-Unternehmer – und bezeichnet dies als eine seiner besten Entscheidungen.
Wir haben einen Tag Entspannung im Weingut Schuchmann genossen: Pool, Massage, Weintasting - einfach wunderbar! Dies sei hier nur genannt, um beim geneigten Leser Neid zu wecken ;-) Die Lage des Weinguts ist großartig, etwas erhöht über dem Alazani-Tal, dem Zentrum des kachetischen Weinbaus. Von hier reicht der Blick über die Weinberge und die weite Ebene bis zu den Gipfeln des Großen Kaukasus.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Scheinbar ist der Gründer heute nicht mehr selbst vor Ort. Der Service ist unmotiviert, an der Poolbar gibt es weder Wechselgeld noch Kartenzahlung, kein WLAN in den villenartigen Häusern, kein Toilettenpapier, eine Minibar ohne Getränke und eine geschlossene Vinothek. Das sind natürlich Wohlstandssorgen deutscher Touristen, ich weiß. Für ein Haus, das sich als gehobenes Wein-Château präsentiert, sind es in der Summe aber erstaunlich viele Kleinigkeiten. Da passen Anspruch und Wirklichkeit leider nicht ganz zusammen.



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