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Freitag, 27. September 2024

Durch die Wüste nach Choresmien

Mit eingeschränkten technischen Mitteln sende ich hiermit meinen vorerst letzen Post. Leider hat mein Laptop heute morgen den Geist aufgegeben. Auf meinem Handy kann ich weder die Fotos meiner Kamera darstellen noch vernünftig Texte schreiben. 

Wir fuhren heute sieben Stunden durch die baumlose Wüste, um zur alten Stadt Chiwa (auch Xiva oder englisch Khiva) zu gelangen. Dieses Kleinod werden wir in den nächsten Tagen bestaunen. Auf dem Weg mussten wir den Amudarja queren, was zur Geduldsprobe wurde. Die Brücke ist nur einspurig und gleichzeitig für den Eisenbahn- als auch Straßenverkehr vorgesehen. So mussten wir erst einen Zug und dann den Gegenverkehr passieren lassen, bevor wir nach 20 Minuten Wartezeit die Brücke überqueren durften. 

Einen ersten Eindruck der Wüstenstadt Chiva erhielten wir bei einem kurzen Stadtbummel. Die Nächte werden jetzt kühler, also haben wir unser Equipment entsprechend aufgestockt.













Donnerstag, 26. September 2024

Eine Perle an der alten Seidenstraße

Die Städte, welche wir besuchen, werden der Reihenfolge nach immer kleiner, dadurch beschaulicher und pittoresker. Ein wahres Kleinod ist Buchara (usbekisch Buxoro). An einer zentralen Route der alten Seidenstraße gelegen, hat die Stadt eine wechselvolle Geschichte. Zahlreiche ehemalige Karawansereien in der Stadt zeugen von der Bedeutung als Handelszentrum. Heute sind die von Bäumen beschatteten Innenhöfe beliebte Restaurantplätze, umgeben von Souvenirläden. In einem solchen Innenhof sitze ich gerade und schreibe diesen Text. Die Stadt existierte wohl schon zu Zeiten Alexander des Großen und erlebte ein Blüte unter persischer Herrschaft der Samaniden im 9. und 10. Jahrhundert. Buchara wurde zum Zentrum von Handel und Handwerk sowie ein geistiger Pol des Islams im Osten. Ein Mausoleum und das Wahrzeichen der Stadt, das zentrale Kalon-Minarett, zeugen von jener Zeit. Berühmte Wissenschaftler, wie der Arzt und Philosoph Avicenna, lebten und wirkten hier. Als die Mongolen unter Dschingis Khan einfielen, wurde die Stadt nahezu vollständig zerstört und benötigte mehrere hundert Jahre, um zu neuer Blüte zu gelangen. Das Minarett blieb wie durch ein Wunder erhalten. Der Legende nach stand Dschingis Khan davor, schaute nach oben und verlor seinen Hut. Als er sich  hinkniete, um den Hut aufzuheben, sagte er: "Niemand hat mich bisher in die Knie zwingen können, dieser Turm hat es geschafft. Er soll erhalten bleiben." Im sowjetischen Bürgerkrieg von 1920 wurde die Stadt von der Roten Armee schwer bombardiert und erneut zu 75% zerstört. Die Burg Ark mit dem Palast des Emirs ging verloren. Nur ein kleiner Teil blieb erhalten, die Burgmauern werden gerade restauriert. Der Emir flüchtete nach Afghanistan, ließ Frau(en) und Kinder zurück und nahm nur sein Gold mit. Sein Herrschaftsgebiet wurde zur Sowjetischen Volksrepublik Buchara und ging 1924 in der Usbekischen Sozialistischen Volksrepublik (USSR) auf. Die Nachfahren des Emirs leben heute in Pennsylvania, USA. Das Gold des Emirs liegt bei einer Schweizer Bank mit der Auflage, es Usbekistan auszuzahlen, wenn es eine islamische Republik wird. Soll es ruhig liegen bleiben bis zum jüngsten Gericht. 

Die Innenstadt ist heute ein einzigartiges autofreies Freiluftmuseum. Selbst unter der Woche sind die Gassen bis Mitternacht belebt, viele Läden haben bis 23 Uhr geöffnet. In den Restaurants gibt es abends Live-Musik und Folklore-Tänze. Besuche traditioneller Handwerksbetriebe, von der Teppichknüpferin bis zum Damaszener-Messerschmied, dürfen in Buchara nicht fehlen. Ein schöner Ort zum Verweilen.





Wo einst der Emir-Palast stand, ist nur noch Wüstenei.











Dienstag, 24. September 2024

Ein Abend in Buchara

Bei Wein, Weib und Gesang (Gesang war aus, Wein gabs später) verbrachten wir unseren ersten Abend in Buchara. Der Hodscha Nasreddin darf natürlich nicht fehlen. Er ist der Till Eulenspiegel des Orients und seit dem sowjetischen Kinofilm "Nasreddin in Buchara" aus dem Jahr 1943 eng mit der Stadt verbunden. Hier ein Kostprobe seiner Weisheiten: "Der Hodscha wird gefragt: »Auf welcher Seite des Sarges muss man bei einem Begräbnis gehen? Vor dem Sarg, dahinter, rechts oder links davon? »Die Seite spielt keine Rolle«, antwortete der Hodscha, »solange du nicht drinnen liegst!«"

Ein Friseurbesuch im fremden Land hat mittlerweile Tradition. Nach dem Essen ging es gegen 22 Uhr nochmal zum Barbier. Waschen, scheiden, föhnen, rasieren, Kopfmassage - Das volle Programm. 150.000 Som (knapp 11 EUR). Es hat sich gelohnt.




Bilderrätsel

Wie viele Kamele sind auf der Fotomontage zu erkennen? (Hinweis: Es gibt mehrere richtige Lösungen. Bei genauem Blick erkennt man auch ein paar Esel ;-)

Im Jurtencamp

Heute ging es in die Wüste Kysylkum. Auf dem Weg hielten wir an einem See für ein erfrischendes Bad. Der See ist 180km lang, ca. 35km breit und bis zu 40m tief. Das sind die Dimensionen hier in Usbekistan. Dieses kleine Meer ist mehr oder weniger durch Zufall entstanden. Als im Jahr 1969 ein gewaltiges Hochwasser des Syrdarja drohte, Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen am Aralsee zu überfluten, entschloss sich die Regierung, das Wasser in die Wüste abzuleiten. In einer großen Wüstensenke sammelte sich das Hochwasser. Der See entstand und wird nun auf konstantem Niveau gehalten. An unserer Badestelle war weit und breit kein Mensch zu sehen, da sind wir gleich nackig reingegangen.

Nach Ankunft im Camp bezogen wir unseren Jurten und genossen anschließend den Sonnenuntergang bei einem Kamelritt durch die Wüste. Der Abend klang bei kasachischer Volksmusik am Lagerfeuer aus. Das Gebiet wird hauptsächlich von Kasachen bewohnt, die Grenze ist nur wenige Kilometer entfernt. Unterwegs speisten wir in einem kasachischen Restaurant und tauchten etwas ins Leben der Einheimischen ein.










Montag, 23. September 2024

Zum Thema Mobilität

Auf den Straßen hier sieht man überdurchschnittlich viele Autos der Marke Chevrolet. Das hängt damit zusammen, dass General Motors Anfang der 2000er eine Autofabrik von Daewoo übernommen hat und seitdem Fahrzeuge der Marke Chevrolet in Usbekistan produziert. Da auf heimische Autos keine Einfuhrzölle erhoben werden, sind sie für die Usbeken erschwinglich. Noch vor wenigen Jahren dominierte die Marke nahezu vollständig das Straßenbild. Das wandelt sich gerade. In den Städten sieht man bereits viele chinesische Elektroautos. Die Ladeinfrastruktur ist gut ausgebaut. Etwa ein Drittel der Fahrzeuge ist schon elektrisch unterwegs, ein weiteres Drittel fährt mit Gas und nur ein Drittel mit Benzin oder Diesel. Vor allem auf dem Land kurven noch alte Ladas und Wolgas herum. Auch Esel und Pferde sind dort beliebte Transportmittel. Fahrräder und Mopeds sind selten, die meisten Usbeken haben nicht gelernt, auf zwei Rädern zu balancieren. Busse sind überwiegend chinesische Fabrikate, moderne LKW auch. Es gibt aber genügend alte LKW aus Sowjetzeiten, z.B. SIL und KAMAS. Bei den Traktoren dominiert BELARUS, drei- oder vierrädrig. Alles in allem ein bunter Verkehrsmix.

Abgesehen von Taschkent, wo es eine Metro und ein gut ausgebautes Busnetz gibt, beschränkt sich der ÖPNV in den übrigen Regionen auf Minibusse, sogenannte Marschrutkas. Den Rest erledigen Taxis, die online gebucht werden und äußerst günstig sind (sofern man kein Tourist ist).







Sonntag, 22. September 2024

Das liebe Geld

Usbekistan ist eigentlich ein sehr günstiges Reiseland. Mit Betonung auf eigentlich. Über die Freude ob der Eindrücke und Erlebnisse legt sich gelegentlich Frust über die Finanzen. Zum einen muss man mit den Nullen auf den Scheinen aufpassen. Mit 100 Euro bist Du hier Millionär. 1000 Som sind gerade mal 7 Cent. Wenn Du dann eine Restaurantrechnung für sechs Personen über 1,2 Mio. auf dem Tisch liegen hast, aber nur 10.000er Scheine in der Tasche, fängt das große Zählen an. Ein 10.000er unterscheidet sich farblich kaum vom 100.000er, was das Ganze nicht vereinfacht. Der größte erhältliche Schein sind 200.000 Som. Das sind gerade mal 14 Euro und ein paar Zerquetschte. Schlimmer als die Zählerei ist die Mentalität der Leute. Fragst Du nach einem Preis in englisch, kostet es die Summe X. Fragst Du auf russisch, kostet es die Hälfte. Nicht auszudenken, was es kosten würde, wenn wir usbekisch könnten. 

In den Restaurants wird gerne mal etwas auf den Tisch gestellt, was Du gar nicht bestellt hast. Natürlich steht das dann auf der Rechnung. Oder es werden Sachen abgerechnet, die weder bestellt noch konsumiert wurden. Die Rechnung wird meistens auf kyrillisch ausgestellt, obwohl die Usbeken lateinische Buchstaben verwenden. Da viele Touristen das Kyrillische nicht lesen können, fällt der Betrug nicht auf. Der günstige Wein für 14 Euro die Flasche ist meistens aus, man muss auf eine Flasche für 28 Euro ausweichen. Einmal haben wir das Doppelte zahlen sollen, als wir eigentlich bestellt hatten. Mir ist zuerst nur die Flasche Schnaps aufgefallen, die wir nicht hatten. Ich reklamierte. Der Betrag wurde mir ohne Diskussion zurückgegeben. Erst später sah ich, dass weitere fehlerhafte Posten auf der Rechnung waren. Unser Reiseleiter ist nochmal mit der Quittung zurückgefahren und hat den Differenzbetrag eingetrieben. Sowas nervt natürlich und trübt die Stimmung. Niemand möchte gerne betrogen werden. Also, liebe Touristen: Augen auf beim Einkauf in Usbekistan!


Samstag, 21. September 2024

Durch Zufall im Hamam

An unserem heutigen freien Abend wollten wir etwas Sightseeing auf eigene Faust machen. Auf Google Maps fiel mir eine Sehenswürdigkeit mit dem Namen "Ancient Samarkand Bath" auf. Wir dachten an ein historisches Hamam, dass man dort besichtigen kann. Dem Taxifahrer war der dunkle Ort in den schmalen Gassen etwas suspekt, als er uns herauslies. Wir schritten frohen Mutes durch ein eisernes Tor in einen dunklen Innenhof und suchten nach einem Kassenhäuschen. Da wir nichts fanden, gingen wir rein und fanden einen alten Mann im Wohnzimmer beim Gebet. Er erklärte uns auf russisch, dass hier kein Museum sei, aber ein funktionierendes Hamam. Badetücher habe er, kein Problem. Durch eine unscheinbare eiserne Tür führte er uns in den Keller. So kamen wir zu einem unerwarteten 1,5 stündigen Hamambesuch mit ordentlich Massage auf alten beheizten Steintischen. Ich hatte vorher nicht erwartet, dass meine Füße meine Ohren berühren können, aber der alte Mann verrenkte meine Gebeine in alle Richtungen. Steffi wurde derweil von seiner Frau bearbeitet. Durch Zufall kamen wir so zu einem großartigen Sauna- und Massage-Erlebnis.