Rund 70 Kilometer südöstlich von Tbilissi, unmittelbar an der Grenze zu Aserbaidschan, erstreckt sich eine fast menschenleere Halbwüste mit kargen, gelblich-roten Hügeln. Mitten in dieser Landschaft liegen, über rund 25 Kilometer verteilt, zahlreiche in den Fels geschlagene Klöster, Kirchen und Mönchszellen. Insgesamt soll es zeitweise mehrere Tausend solcher Räume gegeben haben.
Den Anfang machte im 6. Jahrhundert der Mönch David Garedscha, einer der sogenannten dreizehn syrischen Väter, die eine wichtige Rolle bei der Festigung des Christentums in Georgien spielten. David zog sich mit seinem Schüler Lukian in diese abgelegene Gegend zurück und lebte zunächst in einer natürlichen Felshöhle. Daraus entwickelte sich die Lawra des heiligen David, das älteste und wichtigste Kloster des gesamten Komplexes. „Lawra“ bezeichnet dabei kein bestimmtes Gebäude, sondern eine besondere Form einer orthodoxen Klostergemeinschaft. Die Mönche lebten weitgehend zurückgezogen in einzelnen Höhlen und Zellen und kamen zu Gottesdiensten und gemeinsamen Mahlzeiten zusammen.
Die heutige Anlage ist eine Mischung aus Höhlenkloster und gemauerten Gebäuden. Man steigt über Treppen und schmale Gänge in mehrere Ebenen hinunter. In den Felsen befinden sich Zellen, Kapellen, Vorratsräume und ein Refektorium. Im Kloster liegt auch das Grab des heiligen David. Bis heute leben hier wieder orthodoxe Mönche – Lawra ist also kein Museum, sondern ein aktives Kloster. Als wir vor Ort waren, besprach gerade ein Mönch mit Handwerkern anstehende Ausbesserungsarbeiten.
Leider kann man einen wichtigen Teil des Höhlenklosters derzeit nicht besichtigen. Der Bergrücken oberhalb von Lawra bildet die bis heute nicht abschließend festgelegte Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan. Das dort gelegene Höhlenkloster Udabno mit seinen berühmten Fresken ist seit den Grenzstreitigkeiten von 2019 für Besucher gesperrt.
Natürlich gehört auch zu Dawit Garedscha eine Legende. David wollte der Überlieferung nach nach Jerusalem pilgern. Als er die Stadt vom Ölberg aus erblickte, fühlte er sich jedoch nicht würdig, den heiligen Boden zu betreten. Stattdessen nahm er drei Steine und machte sich wieder auf den Rückweg. In Jerusalem soll der Patriarch daraufhin geträumt haben, dass ein fremder Mönch der Stadt ihre gesamte geistliche Gnade entzogen habe. Reiter wurden David hinterhergeschickt und nahmen ihm zwei der Steine wieder ab. Einen durfte er behalten und brachte ihn nach Garedscha. Daraus entstand die Überlieferung, dass ein Besuch bei diesem Stein dreimal so viel zähle wie eine Pilgerreise nach Jerusalem – weshalb Dawit Garedscha manchmal auch als „zweites Jerusalem“ bezeichnet wird.
Mindestens genauso eindrucksvoll wie das Kloster selbst fand ich die Landschaft: Diese karge, nahezu baumlose Steppe hat einen besonderen Charme. Sie erdet und wirkt beruhigend.

Ui. Komfort ist anders.
AntwortenLöschenLG die Limburger